Inspirierendes Treffen des Netzwerks „Enkeltaugliche Region“ in Doberlug-Kirchhain

20. November 2025 15:30 – 17:30 Uhr  Zur Waldhufe, Doberlug-Kirchhain

Nachhaltige Bestattung und Reparaturkultur – Einblicke in innovative Projekte im ländlichen Raum

Nachaltige Bestattung – RuheForst Konzept

Das Netzwerktreffen startete mit einer einfühlsamen Führung durch den RuheForst Waldhufe in Doberlug-Kirchhain, präsentiert von Marie-Luise Schmidt (Wälder für Menschen GmbH). Das RuheForst-Konzept bietet eine natürliche Alternative zu klassischen Bestattungsformen: Statt auf Friedhöfen werden Urnen an ausgewählten Bäumen beigesetzt – eingebettet in einen lebendigen Wald.

Wie funktioniert ein RuheForst?

  • Baumauswahl: Nicht jeder Baum eignet sich. Geeignet sind langlebige, stabile Arten, die Teil eines intakten Ökosystems sind.
  • Aufbau: Der RuheForst ist kein klassischer Friedhof, sondern ein naturnaher Wald, in dem Biotope geschützt und gefördert werden. Die Führung zeigte, wie Bäume, Insekten, Pilze und Würmer im Kreislauf des Lebens zusammenwirken
  • Nachhaltigkeit: Traditioneller Grabschmuck aus Kunststoff oder waldfremden Materialien wird vermieden. Stattdessen steht der Schutz des Waldes und die Achtsamkeit im Vordergrund.

Die Teilnehmenden diskutierten lebhaft über die Veränderung der Bestattungskultur, besonders bei jüngeren Menschen und Zugezogenen, die sich zunehmend nach natürlichen Alternativen umschauen.

Reparaturcafé – mehr als nur reparieren

Im zweiten Teil des Treffens stand das Reparaturcafé Elbe-Elster im Fokus. Karla Fornoville (Bürgerregion Lausitz) führte in die gesetzliche Abfallhierarchie ein. Deren wichtigsten Elemente, nämlich Vermeidung Wiederverwendung, passte genau zum Thema „reparieren statt wegwerfen“. Markus Wegner stellte das Reparaturcafé-Konzept und die Herausforderungen im ländlichen Raum vor:

  • Was ist ein Reparaturcafé? Ein Ort, an dem Menschen kaputte Gegenstände gemeinsam reparieren – 50% Reparieren, 50% Begegnung. Es geht um Nachhaltigkeit, sozialen Austausch und Wissenstransfer. => wichtige Faktoren in einer stark ländlich geprägten Region zu Bewältigung der Herausforderungen des Strukturwandels.
  • Ablauf: Im ersten Café in Finsterwalde wurden Geräte wie Toaster oder Fahrräder repariert. Wichtig: Versicherungsschutz, klare Regeln (z. B. keine Reparatur von Gasgeräten) und die Prüfung der Funktionsfähigkeit nach der Reparatur. Ziel ist ein  durch eine Gruppe oder Initiative selbstorganisiertes Reparaturcafé.
  • Herausforderungen im ländlichen Raum:
    • Räume: Mietkosten und langfristige Verfügbarkeit sind oft problematisch.
    • Mobilität: Viele Orte sind mit ÖPNV schwer erreichbar.
    • Verstetigung: Projekte brauchen engagierte „Zugpferde“, die sie langfristig tragen. Das ist oft die Herausforderung im Ehrenamt.

Die anschließende Diskussion zeigte: Reparaturcafés sind mehr als nur Werkstätten. Sie stärken den Zusammenhalt und fördern ein Bewusstsein für Ressourcenschonung. Reparaturcafés sind auch lebendige Antworten auf den Strukturwandel: Sie schaffen neue Räume für Gemeinschaft und handwerklichen Austausch – und können auch für Gründer:innen Denkanstoß sein. Doch ohne Begleitung und dauerhafte Unterstützung – sei es durch Kommunen, Kirchen oder Unternehmen – bleibt ihre Zukunft unsicher.

Offener Austausch und persönliche Eindrücke

Bestattungskultur im Wandel: „Ich konnte mir eine Urnenbeisetzung im Wald bisher nicht vorstellen – bis heute. Die einfühlsame Führung hat meine Sicht verändert.“ „Jüngere Menschen wünschen sich natürliche Bestattungsformen. Als Stadt müssen wir reagieren und Alternativen schaffen.“

Reparaturkultur als sozialer Klebstoff: „Reparaturcafés sind eine tolle Idee – aber sie brauchen Menschen, die sie mit Leidenschaft tragen. Das kann nicht nur ehrenamtlich funktionieren.“ „Projektförderungen unterstützen oft nur Externe, nicht diejenigen, die die Hauptarbeit leisten. Das muss sich ändern!“

Fazit: Vernetzung als Schlüssel für Innovation

Das Netzwerktreffen war ein voller Erfolg: Inspirierende Projekte, offener Austausch und die Möglichkeit zur Vernetzung wurden besonders gelobt. Die Teilnehmenden nahmen viele Ideen mit – etwa die ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Uebigau-Wahrenbrück (Dittgart Hapich) die Idee eines Reparaturcafés in Uebigau. Wir bleiben dran.

Was bleibt?

„Es geht nicht nur um Bäume oder kaputte Toaster – es geht um die Frage, wie wir zusammenleben und unsere Zukunft gestalten wollen.“

  • Nachhaltige Bestattung und Reparaturkultur sind mehr als Trends – sie sind Ausdruck eines neuen Bewusstseins für Umwelt und Gemeinschaft.
  • Ländliche Räume brauchen kreative Lösungen und langfristige Unterstützung, um solche Projekte zu verstetigen.
  • Vernetzung ist der Schlüssel: Nur gemeinsam können Kommunen, Initiativen und Bürger:innen innovative Ideen umsetzen, Identifikation schaffen und so die strukturellen Veränderungen in der Lausitz tragen.

 

Wir danken der Wälder für Menschen GmbH für die Führung und den eindrucksvollen Impuls und dem Team der Waldhufe für die tolle Betreuung vor Ort.

Euer Projektteam der Bürgerregion Lausitz – Knotenpunkt Elbe-Elster
Karla Fornoville & Markus Wegner

Links:


Fotos:
Markus Wegner, Karla Fornoville

 

Bürgerregion Lausitz, Förderung und Stärkung von Bürgerbeteiligung im Strukturwandel der Lausitz. Das Projekt ist gefördert durch Fördermittel aus dem Strukturstärkungsgesetz. Es trägt dazu bei, die Strukturentwicklung Lausitz als gemeinsamen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Prozess zu gestalten.

Ruheforst Waldhufe Doberlug-Kirchhain
Netzwwerktreffen Enkeltaugliche Region Elbe-Elster 2025